
Aktion Tatendrang 2002: Pfadfinder helfen Schelehov
Die letzte Tatendrang-Aktion ist auch schon wieder ein paar Jahre her: Mit der Aktion „Pfadfinder helfen Schelehov“ haben wir von 2002 bis 2004 die Arbeit des russischen Pfadinderstammes „Schneeleopard“ am Baikalsee in Sibirien unterstützt. Ähnlich wie bei „Pfadfinder helfen Sincrai“ ging es hauptsächlich darum, Geld zu sammeln, diesmal für den Ausbau des Bauernhofes der russischen Pfadis, mit dem sie ihre Ernährungssituation verbessern konnten, und auf dem Drogenentzugsprogramme durchgeführt werden. 10.000 EUR wurden gebraucht, diese Summe konnten wir weit übertreffen.
Wieder haben die Stämme begeistert mitgemacht. Es reichte nicht nur für den Ausbau, sondern auch für einen neuen Generator, einen gebrauchten Traktor, ein paar weitere Tiere für den Hof und die Essensversorgung der Pfadfinderlager in den Jahren 2003 - 2005. Und obwohl wir eigentlich keine Sachspenden sammeln wollten, haben wir drei Hilfslieferungen mit Pfadfinderausrüstung nach Schelehov schicken können, darunter z.B. 50 Paar Goretex-Wanderschuhe, gespendet von der Firma Lowa.
Und wieder hat uns eine Aktion Tatendrang neue Freunde geschenkt: 2006 waren 11 Schneeleoparden mit uns auf dem VCP-Bundeslager, und dieses Jahr – im Ende Juli 2008 – waren die ersten Schneeleoparden bei uns im Turm. Zwar ist die wirtschaftliche Situation in Sibirien immer noch nicht rosig, aber heute kann der Stamm schon fast auf eigenen Füßen stehen und hat kaum noch Hilfe nötig.
Brief aus Schelehov, Winter 2003
Der Winter bei uns in Sibirien ist richtiger Winter, so wie man ihn sich vorstellt. Die letzten Blätter sind kaum von den Bäumen gefallen und schon geht es los. Der erste Schnee liegt bereits und bereits im Oktober können die Temperaturen unter –20° fallen. Nur das ist bei dem trockenen Klima kein Hinderungsgrund auf Fahrt zu gehen. Wenn man sich warm anzieht und über Nacht das Feuer in Gang hält ein spannendes Erlebnis. Erst ab –30° fällt das Atmen schwer und die erfrierungsgefahr wird zu groß.
Nachdem wir den Sommer über fast nur auf unserem Bauernhof oder auf Fahrt sind, haben wir den Winter über ein eher ständiges Leben in unserem Stammesheim in der kleinen Stadt Schelechov, Gruppenstunden, Vorbereitungstreffen für die nächsten Lager.
In den fünf Tagen der Herbstferien im November fand eine Leiterschulung mit 40 Pfadis statt. Diese wurde erstmals von unseren älteren Jugendlichen selbst organisiert und hatte zum Ziel den Jüngeren Einblicke in pädagogisches Grundwissen zu vermitteln. Zwei Mütter halfen in der Küche eines alten Pionier-Lagers. Immer mehr versuchen wir Verantwortung abzugeben, damit auch Jüngere selbstständig organisieren und leiten lernen. Das ist hier in Russland noch sehr ungewohnt und bedarf vieler Geduld.
Mit dem Erntedankfest kam Sabine v. Bremen, eine Lehererin aus Berlin, für drei Monate zu uns, um Sibirien zu erkunden. Sie wohnte bei einer unserer Pfadfinderinnen und gab in unserem Städtchen Deutschunterricht für interessierte Jugendliche, was vor allem unsere Pfadis annahmen. Seit zwei Jahren nämlich bekommen wir nun schon Besuch von deutschen Pfadfindern und das ist für uns ein großer Ansporn Deutsch zu lernen. Viel gibt es von den Deutschen zu lernen, aber ohne gemeinsame Sprache ist das nur sehr begrenzt möglich. Gelegentlich gibt es schon Einladungen nach Deutschland, desshalb lernen wir feste, um möglichst bald auch einmal in Deutschland zu Gast zu sein.
Wir beschließen unsere Fahrtensaison jedes Jahr mit dem Erntedankfest, zu dem wir uns einen schönen Lagerplatz in der Umgegend suchen, um unser Pfadfinderjahr zu beenden. In diesem Jahr war es ungewöhnlich warm, so daß wir alle unter freiem Himmel den Erntedankgottesdienst feiern konnten.
Das Neujahrsfest verbrachten wir auf unserem Bauernhof. Noch aus sowietischer Tradition heraus, wird kein Weihnachtsbaum, sondern ein Neujahrsbaum aufgestellt. Weihnachten wird nur in der Kirche und da auch eher bescheiden gefeiert. Da wo Weihnachten gefeiert wird, da feiert man die Geburt Christi ohne große Weihnachtsmärkte und wochenlange Weihnachtslieder und –männer.
Mitte Februar kam eine Gruppe von sechs Altpfadfindern verschiedener Bünde zu uns, um eine Gruppenleiterschulung zum Thema „Pfadfindertechnik" durchzuführen. Da wir den Winter über unseren Hof provisorisch winterfest gemacht hatten, fand die Schulung natürlich dort statt. Es war ein großer Erfolg und für uns bewundernswert, wie organisiert so etwas abgehen kann.
Im März bekamen wir einen Teilbetrag der bei Tatendrang 2002 zusammengekommenen Spenden. Damit können wir unseren Bauernhof weiter ausbauen. Konkret haben wir trotz Frost begonnen ein Waschhaus zu bauen, in dem man sich im Winter und im Sommer waschen kann. Dann werden wir das Großhaus weiter ausbauen, so daß man sich dort mit 50 Personen wird aufhalten können. Der Schweinestall wird vergrößert, um unsere begonnene kleine Schweinezucht auszubauen. Außerdem werden wir uns Geflügel anschaffen.
Für alle, die uns dabei geholfen haben ein herzliches Danke!
tom
11.3.2003 Irkutsk

